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Android: Tinder darf vorerst im Play Store bleiben

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Die Dating-App Tinder darf vorerst weiter im Play Store angeboten werden. Tinder-Mutterfirma Match und Android-Betreiber Google haben sich vor Gericht auf einen vorübergehenden Kompromiss geeinigt, der den drohenden Rausschmiss der App verhindern soll. Auch andere Apps der Match Group, darunter PlentyofFish und OkCupid, dürfen damit weiterhin im offiziellen Store der Android-Plattform angeboten werden.

Den Apps der Match Group drohte der Rauswurf aus dem Play Store zum 1. Juni, weil Match sich nicht an Googles Zahlrichtlinien halten möchte: Das Unternehmen will weiterhin eigene Bezahlwege anbieten, die Googles obligatorische Gebühr für Transaktionen im Play Store umgehen. Nun haben Google und Match vor Gericht einen zeitweiligen Kompromiss erarbeitet: Tinder und Co. dürfen vorerst weiterhin eigene Bezahlmethoden anbieten, Match muss allerdings 40 Millionen US-Dollar auf ein Treuhandkonto einzahlen. Außerdem muss das Unternehmen präzise aufzeichnen, welche Zahlungen erfolgen und welche Summen Google bei der Verwendung der offiziellen Bezahlmethode zustehen würde.

Die Vereinbarung gilt bis zum Start der Gerichtsverhandlung der beiden Unternehmen, die auf den April 2023 angesetzt ist. Match hatte Google im Mai verklagt und wirft dem Unternehmen vor, seine Vormachtstellung auf dem Mobilmarkt auszunutzen. Mit einer separaten einstweiligen Verfügung versuchte Match zusätzlich, den drohenden Rauswurf von Tinder abzuwenden. Diesen Antrag hat Match nun infolge der Kompromisslösung mit Google fallen gelassen.

Wie es langfristig mit Match-Apps auf Android und der Summe auf dem Treuhandkonto weitergeht, soll sich beim Hauptgerichtsprozess in Kalifornien klären. Die Wogen glätten sich auch nach der jüngsten Einigung offenbar nicht. In einer Pressemitteilung beharrt Match auf seinen Positionen: Googles Verhalten sei wettbewerbsbeschädigend und verstoße gegen geltendes Kartellrecht. Man sei zuversichtlich, dass man das Geld aus dem Treuhandkonto zurückbekommen werde, schreibt Match Group. Match gehört seit Jahren zu den lautstarken Kritikern von Google. Das Unternehmen hinter Dating-Apps wie Tinder lastet Google in der Klageschrift unter anderem Marktmanipulation, Machtmissbrauch und gebrochene Versprechen an.

Google wiederum wirft Match in einem eigenen Blog-Eintrag vor, die nun von Match veröffentlichte Pressemitteilung sei irreführend und verletze Abmachungen aus der erzielten Einigung. In dem Blog-Eintrag unterstreicht Google außerdem seinen Anspruch auf seine Play-Store-Gebühr: Apps wie Tinder würden „immens“ vom Play Store profitieren, schreibt Google.

Seit dem 1. April lässt Google keine Ausnahmen in seinen Play-Store-Richtlinien mehr zu: Alle Apps müssen ausschließlich Googles eigenes Zahlsystem für digitale Inhalte und Abonnements verwenden. Wer sich nicht fügt, soll zum 1. Juni aus dem Play Store fliegen.

Einige Unternehmen sträubten sich bisher gegen Googles Richtlinien – vorwiegend mit technischen Tricksereien wie Browser-Fenstern, die sich innerhalb der App öffneten. Das soll mit den nachgeschärften Richtlinien vom 1. April explizit nicht mehr erlaubt sein. Wer sein System bis zum 1. Juni nicht umstellt, soll aus dem Play Store entfernt werden. Apps aus dem Match-Portfolio setzen aber ein eigenes Kreditkarten-Bezahlsystem ein. Dieses werde häufiger genutzt als Googles eigenes Zahlsystem, sagt das Unternehmen der Nachrichtenagentur Reuters.

„Die Klage ist unser letzter Ausweg“, sagte Match-Chef Shar Dubey der Nachrichtenagentur. Würde man sich an Googles Regeln halten, stünde ein Verlust von mehreren Hundert Millionen US-Dollar im Raum. Die Möglichkeit, Apps wie Tinder aus dem Play Store zu entfernen und nur noch per Sideload anzubieten, lehnt Dubey ab.

Diese Frist bringt derzeit zahlreiche App-Anbieter in Bedrängnis. Amazon hat sich etwa dazu entschieden, lieber gar keine digitalen Güter in seinen Apps anzubieten, als Googles Bezahlmethode zu implementieren und damit eine Gebühr abzugeben. In den Android-Apps von Audible und Amazon kann man deshalb keine Hörbücher und E-Books mehr kaufen. Die Inhalte sollen stattdessen auf dem Desktop erworben werden, schreibt Amazon in seinen Apps.

In den vergangenen Monaten hat sich der Druck auf Google verstärkt. In Südkorea muss Google mittlerweile bereits alternative Bezahlmethoden zulassen – die Regierung hat es Google und Apple untersagt, eigene Bezahlmethoden mit „unangemessenen Gebühren“ in ihren Stores zu erzwingen. Der Digital Markets Act könnte Google außerdem zu weiteren Lockerungen zwingen.


(dahe)

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