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Anleitung: HiFi-Verstärker restaurieren, Teil 1

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Immer dreht sich alles nur ums Einkaufen – sei es zu Black Friday, Weihnachten oder Ostern. Doch wieso nicht einfach mal Reparieren und Weiterverwenden statt immer Neues zu kaufen? Darum dreht sich unsere Artikelserie „Reparieren und Upcycling“.

Viele Menschen verbannen ihre alten HiFi-Verstärker in den Keller, sobald sie sich eine Heimkinoanlage anschaffen. Im täglichen Gebrauch der neuen Anlage stellt sich häufig heraus, dass der 7.1-Receiver nicht unbedingt die beste Wahl für die reine Musikwiedergabe ist. Ihr Funktionsumfang ist für einfache Aufgaben wie Hintergrundberieselung übertrieben. Die einfache und intuitive Bedienung, die man von Geräten aus den 70er und 80er Jahren kennt, fehlt. Für die Einstellung von Höhen und Bässen gibt es keine Knöpfe mehr und selbst das Umschalten der Quellen gelingt nicht mehr blind, da die einfachen Schalter durch Menüpunkte in Software ersetzt wurden. So wird die Optimierung des Klangs für die eigenen Bedürfnisse schnell zum zeitaufwendigen Projekt mit Fernbedienung.

Wer also einfach nur unkompliziert Musik hören möchte, eine Zweitanlage braucht oder nicht auf die Verarbeitungsqualität von modernen HiFi-Bausteinen des mittleren Preissegments vertraut, der kann hier lernen, wie man alte Verstärker von ihren Problemen befreit. Die folgende Anleitung zeigt kosten-günstige Restaurationsmethoden, die man mit einfachen Mitteln und ohne großes Vorwissen im Bereich der Elektronik umsetzen kann. Sie ist explizit für die Arbeit an Verstärkern der unteren und mittleren Preisklasse aus den 70er bis 90er Jahren gedacht. Nur für sehr hochpreisige Geräte lohnt sich die Beauftragung einer Reparaturwerkstatt. Bei günstigen Geräten ist die professionelle Restauration in der Regel unwirtschaftlich.







Das Suchen komplexer Fehler soll in diesem Text außer Acht gelassen werden, da dafür zu viel Fachwissen und Erfahrung bei der Schaltungsanalyse notwendig sind. Wenn aber aus einem alten Verstärker noch ansatzweise Musik kommt, aber immer wieder Tonausfälle und Verzerrungen auftreten, so kann ein Reparaturversuch lohnend sein. Alters bedingt sind für diese Art von Fehlern in der Regel die mechanischen Kontakte verantwortlich. Dies sind Umschalter, Potentiometer (kurz Poti), Steckverbinder, Buchsen und, nicht zu vergessen, Relais.

Im allgemeinen Sprachgebrauch wird etwa für den Lautstärkeknopf oft der Begriff „Drehregler“ verwendet. Das ist im Grunde falsch, da er nichts regelt, sondern man damit die Lautstärke einstellt. Richtig wäre also der Begriff „Lautstärkesteller“.

Je nach Alter des Geräts treten diese Fehler meist in Kombination auf und sind nicht immer eindeutig einem einzigen Bauelement zuzuordnen. Ursachen hierfür sind Staub und Oxidation der Kontaktflächen. Stand das Gerät in einem Raucherhaushalt, so trägt das Nikotin ebenfalls einen großen Teil dazu bei, dass der Sound an eine Raucherlunge erinnert.



Ohne Menüsteuerung läuft bei modernen AV-Receivern gar nichts. Selbst bei hochwertigen Geräten fehlen oftmals Drehknöpfe für die Klangeinstellung. Eine einfache Bedienung ist in vielen Fällen nicht möglich.

Bevor man mit dem Öffnen des Gerätes beginnt, sollte man versuchen, das Problem einzugrenzen. Wann tritt der Fehler auf beziehungsweise wann verschwindet er wieder? Lässt sich durch Klopfen am Gehäuse oder durch Betätigung eines Potentiometers oder Schalters der Fehler bereits lokalisieren? Was passiert, wenn man an den Anschlusssteckern wackelt? Bei leichten Verunreinigungen kann es bereits helfen, jedes Bedienelement des Verstärkers im ausgeschalteten Zustand 10- bis 20-mal zu betätigen. Bei Geräten, die über 10 Jahre alt sind, muss man in der Regel zu härteren Mitteln greifen.

Die elektrischen Parameter Nennwiderstand und Kennlinie sind zu beachten und dürfen bei einem Austausch nicht verändert werden. Sie sind in der Regelauf einem Poti aufgedruckt. In einem Verstärker sind Nennwiderstände von 1ˇkOhm bis 100ˇkOhm üblich Die Kennlinie kann linear (Aufdruck lin oder keine besondere Kennzeichnung) oder logarithmisch (Aufdruck log) verlaufen. Mit einem Multimeter im Widerstandsmessbereich lassen sich die Parameter im Zweifelsfall bestimmen.

Das weitverbreitete WD40-Spray verspricht Rostlöser, Schmiermittel, Kontaktspray, Reiniger und Korrosionsschutz in einem zu sein. Kurzfristig erreicht man hiermit in einigen Fällen auch den gewünschten Erfolg. Dieser hält jedoch nicht lange an. Empfindliche Kontaktflächen, wie sie in Schaltern und Potentiometern zu finden sind, kann man mit diesem Spray sogar zerstören. Von einer Verwendung im Umfeld von elektronischen Bauelementen ist daher abzuraten.


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