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Apples Mac Studio im ersten Test: Professioneller als der Mac Pro

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Apple hat die Preise der Desktop-Macs für Profis in den letzten Jahren in schwindelerregende Höhen getrieben: Über 5000 Euro kostete die Basisausführung des iMac Pro, beim 2019 neu aufgelegten Mac Pro geht es erst bei rund 6500 Euro los. Mit etwas mehr Speicher und Kernen reißt man als Käufer die 10.000-Euro-Marke schnell.

Beim neuen Mac Studio dreht Apple nun die Spirale zurück: Der Einstiegspreis liegt bei rund 2300 Euro – ähnlich wie einst bei den Power Macs und Mac Pros im alten Käsereiben-Tower. Sogar Anschlüsse auf der Vorderseite hat der Mac Studio, das gab es bei Apple seit fast zehn Jahren nicht mehr.

Genau auf der Grundfläche eines Mac mini von 19,7 Zentimeter im Quadrat hat Apple das aus einem Aluminiumblock gefräste Gehäuse des Mac Studio entworfen, allerdings mit der 2,6-fachen Höhe. An der Front befinden sich eine weiße Status-LED, ein Steckplatz für SD-Karten mit UHS-II und zwei USB-C-Buchsen. Von oben betrachtet sehen beide Macs fast gleich aus, das schwarze Apple-Logo ist auf dem Mini lediglich etwas kleiner.

Von hinten offenbaren sich dann – von der Höhe abgesehen – die größten Unterschiede: Die oberen zwei Drittel der Rückseite sind mit hunderten feiner Löcher durchsiebt, aus denen die unten angesaugte Luft erwärmt austritt. Darunter eine Reihe von Schnittstellen wie 4 x Thunderbolt 4, 2 x USB-A, HDMI 2.0, Kopfhörer, 10-Gigabit-Ethernet und das nun dreipolige Kaltgerätekabel.

Im Unterschied zum teuren Mac Pro lässt sich der Mac Studio intern nicht erweitern, das Öffnen des Gehäuses ist nicht vorgesehen. An Power mangelt es dem neuen Desktop-Mac aber nicht: Schon in das Basismodell steckt Apple den hauseigenen 10-Kern-Prozessor M1 Max mit wahlweise 24 oder 32 GPU-Kernen. In einer besser ausgestatteten Variante gibt der neue M1 Ultra sein Debüt, ein 20-Kerner mit 48 oder 64 GPU-Kernen und bis zu 128 GByte Arbeitsspeicher. Die Verdopplung der Kerne verdoppelt allerdings auch den Preis: Der Mac Studio mit M1 Ultra kostet mindestens 4600 Euro. Für die Maximalausstattung mit 8-TByte-SSD und 128 GByte RAM und 64-GPU-Kernen verlangt Apple 9200 Euro – ohne Tastatur und Maus.

Apples M1 Ultra besteht aus zwei per Interposer auf Silizium-Ebene zusammengesetzter M1-Max-Chips. Für Software und Betriebssystem verhält sich der Doppelchip aber genau wie ein besonders potentes Einzel-SoC. Im Test traten keinerlei neue Kompatibilitätsprobleme auf. Oder anders gesagt: Alles, was auf dem M1 läuft, funktioniert auch auf dem M1 Ultra.

Der einzelne Performance-Kern ist in Apples M1-SoC-Reihe praktisch identisch, entsprechend liefern Single-Thread-Benchmarks bei Macs mit M1 wie MacBook Air und Mac mini, M1 Pro und M1 Max im MacBook Pro nahezu identische Werte wie beim M1 Ultra. Sobald anspruchsvolle Aufgaben aber auf mehrere Kerne verteilt werden, spielen Pro, Max und vor allem Ultra ihre Stärken aus. Das gilt auch für den Vergleich des M1 Ultra mit Intels Core i9-12900K oder selbst AMDs Ryzen Threadripper, wie unsere Benchmarks bestätigen: Im Multithreading-Test von Geekbench 5 erreicht der M1 Ultra einen Wert von knapp 24.000 und liegt damit über dem Intel-Prozessor und relativ nah am Ryzen Threadripper 3970X.

Mit einer speziellen Media Engine ist Apples M1-Chip auf flottes Exportieren von Videos ausgelegt, ohne dabei sonderlich heißzulaufen. Der 4K-Export eines Videoprojektes mit mehreren 8K-Videospuren aus Final Cut Pro mit Redcode-RAW-Material benötigte in unserem Test auf einem hochgerüsteten Mac Pro (Intel Xeon mit 24 Kernen und 384 GByte RAM) immerhin 227 Sekunden, auf einem MacBook Pro mit M1 Pro (32 GByte RAM) 159 Sekunden, auf dem Mac Studio mit M1 Max (64 GByte RAM) nur noch 102 Sekunden und auf dem Mac Studio mit M1 Ultra (128 GByte Arbeitsspeicher) schließlich 74 Sekunden: Immerhin ein Drittel der Zeit.


Größenvergleich: Apples neuer Mac Studio (links) entspricht gut zweieinhalb aufeinander gestapelten Mac minis.

Im Metal-Test erreichte der M1 Ultra eine doppelt so hohe Punktzahl wie der mit zwei Grafikkarten hochgerüstete Mac Pro. Selbst bei den meisten in der Rosetta-Emulation laufenden 3D-Ballerspielen unterlag der Mac Pro. Dabei blieb der Mac Studio während der Benchmarks mit 0,2 Sone angenehm leise. Der Mac Studio mit M1 Max verbriet beim gleichzeitigen Betrieb von CPU- und GPU-Benchmarks maximal knapp 70 Watt, beim Ultra waren es 117 Watt. Das ist bedeutend weniger als Intel-Macs oder PCs ähnlicher Leistungsklasse verbrauchen.

Streng genommen besitzen M1-Macs keine klassische SSD mehr, da das SoC den Controller für die Flash-Bausteine bereits enthält. Die Anbindung über den Apple Fabric bleibt auch beim M1 Ultra bestehen. Die Transferraten erreichten im Test über 6000 MByte/s, was PCIe 4.0 entspricht.

Apropos Anbindung: Der Mac Studio mit M1 Ultra bringt gegenüber dem mit M1 Max sechs statt vier Thunderbolt-Busse mit, sodass auch an den vorderen Buchsen Thunderbolt statt nur USB-C anliegt.

Wie beim Mac mini und Mac Pro verzichtet Apple auch beim Mac Studio auf das Mitliefern von Tastatur und Maus. Hier kann man aber auf günstigere Anbieter ausweichen. Wer es besonders einheitlich und stilvoll mag, für den bietet Apple jetzt eine neue Peripherieserie in der Farbe Schwarz an. Die Magic Mouse kostet damit 109 statt 85 Euro, das Magic Keyboard mit Ziffernblock 205 statt 185 Euro und das Magic TrackPad 155 statt 135 Euro. Warum Schwarz teurer ist als Weiß bleibt ein Rätsel und wirkt etwas unverschämt.

Verglichen mit dem Mac Pro kostet der neue Mac Studio erheblich weniger und ist ihm in vielen Belangen deutlich überlegen. Man verzichtet auf die modulare Erweiterbarkeit und erhält dafür Leistung satt bei weniger Geräuschen. Die Verdoppelung des M1 Max zum M1 Ultra kann man als sehr gelungen bezeichnen, insbesondere bei den CPU-Kernen und den Video-Engines profitiert man voll davon. Wer so viel Power nicht braucht, kann mit dem Mac Studio M1 Max viel Geld sparen.

  • Mac & i testet die beiden Geräte derweil weiter. Den ausführlichen Test des Mac Studio mit M1 Max und M1 Ultra lesen Sie in Heft 2/2022, das ab dem 7. April 2022 im Handel sein wird. Der Artikel enthält obendrein alle Messergebnisse zu den Anschlüssen, der integrierten SSD, viele weitere Benchmarks rund um CPU und GPU des Mac Studio, Einschätzungen zur Eignung des Rechners für bestimmte Anwendungen und Empfehlungen, wer sich schon mal das Geld zurechtlegen sollte. Mit im Test haben wir auch Apples neues Studio Display. Außerdem beschreiben wir die Verbesserungen im M1 Ultra im Detail. Mac & i-Abonnenten erhalten den Testbericht vorab zugeschickt, er erscheint dann auch auf heise+.


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(lbe)

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