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Aufruf und Werkzeug: Menschen in Russland per SMS über Ukraine-Krieg informieren

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Schon mehrere Tausend Menschen aus aller Welt haben angeblich eine in Polen programmierte Website genutzt, um an beliebige Handynummern aus Russland Nachrichten zum Angriffskrieg des Landes gegen die Ukraine zu schicken. Das berichtet das Wall Street Journal unter Berufung auf die anonymen Verantwortlichen hinter dem Projekt. Die Seite ging demnach am 6. März online und zeigt eine zufällig ausgewählte Telefonnummer aus einem Datensatz von angeblich 20 Millionen Handynummern aus Russland. Darunter steht einer von mehreren auf russisch vorformulierten Texten, die per SMS an die Menschen in dem „versklavten Land“ geschickt werden sollen. Richtige Konversationen entwickeln sich Erfahrungsberichten zufolge aber höchstens vereinzelt.

Betrieben wird die Seite von einer Gruppe, die sich Squad303 nennt und damit auf eine polnische Jagdstaffel der britischen Luftwaffe im Zweiten Weltkrieg Bezug nimmt. Auf der Seite 1920.in schreibt sie, dass die fast 150 Millionen in Russland nicht „die Wahrheit über die Gründe und den Verlauf des Krieges in der Ukraine“ wüssten. Sie würden stattdessen nur die Lügen des Kreml kennen, denn in dem Land gebe es keine freie Presse, das Internet sei zensiert. Damit beziehen sie sich auf die teils strikten Maßnahmen, mit denen die russische Regierung seit Beginn des Angriffskriegs gegen das Nachbarland die Möglichkeiten drastisch eingeschränkt haben, sich zu informieren. So steht es beispielsweise inzwischen unter Strafe, überhaupt von einem Krieg zu sprechen. Die letzten freien Medien haben dicht gemacht, russischsprachige Auslandsmedien werden blockiert.

Um trotzdem Informationen zu „zufällig ausgewählten“ Menschen in Russland zu bekommen, sollen deshalb Mobilfunknummern genutzt werden. In den vorformulierten Nachrichten heißt es beispielsweise in Russisch, „Putins Krieg hat das russische Volk ins Unglück gestürzt“ oder „Mehr als 10.000 Söhne des russischen Volkes sind in der Ukraine gestorben“. Das Wall Street Journal berichtet unter anderem von einem Mann aus dem US-Bundesstaat Oregon, der angeblich bereits über 2000 solcher Nachrichten verschickt hat. Als Reaktion habe er vor allem Beleidigungen bekommen, aber mit 15 Personen hätten sich Gespräche ergeben. Andere hätten ebenfalls Kritik am Kurs der eigenen Regierung geäußert, aber darauf hingewiesen, dass sie die nicht öffentlich machen könnten, ohne Sanktionen befürchten zu müssen.

Schon solche Nachrichten können für Menschen in Russland zum Problem werden. In den vergangenen Tagen hatte es Berichte über Polizisten in dem Land gegeben, die von Menschen auf der Straße die Herausgabe ihrer Mobiltelefone verlangt und deren Inhalte kontrolliert hatten. Trotzdem weist ein Experte gegenüber der US-Zeitung darauf hin, dass das drakonische Vorgehen der Behörden gegen die Medien in dem Land darauf hinweise, dass man im Kreml durchaus davon auszugehen scheint, dass die Bevölkerung die Mächtigen herausfordern könnten. Die Webseite könnte dabei helfen, Informationen in das Land zu bringen. Keine Angabe gibt es dazu, wie Squad303 an die Millionen Handynummern gelangt ist – auch im Besitz von 140 russischen E-Mail-Adressen will die Gruppe sein.


(mho)

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