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Commerzbank zieht sich aus Projekt für europäische Paypal-Alternative zurück

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Eigentlich wollten große Banken aus Europa mit der European Payment Initiative (EPI) heimische Standards für Zahlungsverkehr schaffen und der Vormachtsstellung von US-Firmen Paroli bieten. Doch noch in ihrer Gründungsphase hat die Initiative einen herben Rückschlag erlitten: Die Commerzbank hat ihren Rückzug angekündigt, wie ein Sprecher des Geldhauses gegenüber heise online bestätigte. Zudem soll die DZ Bank, das Spitzeninstitut der deutschen Genossenschaftsbanken, Berichten zufolge ebenfalls den Rückzug erwägen. Auch europaweit bröckelt der Rückhalt für EPI demnach erheblich.

Die Commerzbank, Deutschlands zweitgrößte Privatbank, begründete ihren Schritt gegenüber dem Handelsblatt so: „Die verbliebene Reichweite (Marktabdeckung) und relativ hohe Anfangsinvestitionen stehen nicht mehr im Einklang – damit sind wesentliche Voraussetzungen für eine strategische Investition nicht gegeben. Deshalb werden wir uns an EPI zum jetzigen Zeitpunkt nicht beteiligen.“ Die EPI sei zwar die richtige Idee, aber es hätten bereits zahlreiche Banken aus diversen europäischen Ländern ihren Rückzug erklärt.

Die EPI wurde 2020 von Banken und Bezahldienstleistern aus ganz Europa ins Leben gerufen. Das Ziel sind EU-weite Bezahlsysteme auf Basis des europäischen Standards für Echtzeit-Überweisungen („SCT Inst“). So ist die Rede von einem Kartensystem, das bisherige Insellösungen wie die Girocard ersetzen und mit den US-Kartensystemen konkurrieren können soll, ferner von einem Bezahldienst für den Online-Handel und Wallet-Apps für das Smartphone.

Bislang steht hinter der EPI eine Interimsgesellschaft, Ende Januar oder Februar soll bekannt gegeben werden, wer nun definitiv beim Projekt dabei ist. Die Anfangsinvestitionen wurden Berichten zufolge auf 1,5 Milliarden Euro geschätzt. Laut Handelsblatt sind von 31 an der Interimsgesellschaft teilnehmenden Banken sowie wie zwei Bezahldienstleistern gar nicht mehr so viele Willige übrig: Bei einem Treffen kurz vor Weihnachten sollen nur noch zehn Geld-Institute hinter dem Projekt gestanden haben, acht hätten abgesagt und der Rest habe sich nicht festlegen wollen.

Noch schwerer als der Rückzug der Commerzbank könnte es wiegen, wenn auch die DZ Bank die Flinte ins Korn wirft, repräsentiert sie doch als Zentralinstitut der deutschen Genossenschaftsbanken ihren mit rund 30 Millionen Kundinnen und Kunden erhebliche Marktmacht. Eine Sprecherin der DZ Bank wollte die Gerüchte über einen möglichen Rückzug gegenüber heise online nicht kommentieren.

Finanz-Szene.de schreibt unter Berufung auf Insider, dass die DZ Bank zu den Instituten gehöre, die sich bislang nicht festlegen wollten. Demnach scheue man sich unter anderem, die deutsche Girocard zugunsten einer „EPI-Card“ aufzugeben. Den Genossenschaftsbanken schwebe vielmehr vor, beide möglichst lange parallel existieren zu lassen. Derzeit liefen umfangreiche Gespräche, um die DZ Bank doch noch ins Boot zu holen.

Neben der ausgestiegenen Commerzbank und dem Wackelkandidaten DZ Bank sind aus Deutschland auch noch die Sparkassen-Finanzgruppe sowie die Deutsche Bank an der Interimsgesellschaft beteiligt. Die Sparkassen-Finanzgruppe erklärte auf Anfrage von heise online, dass man nach wie vor zur EPI stehe. Joachim Schmalzl, Vorstand des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands, hatte noch im Dezember betont: „Die Sparkassen-Finanzgruppe steht klar zu EPI und hat von Beginn an die Idee einer europäischen Initiative für ein gemeinsames innovatives Zahlverfahren in Europa unterstützt.“

Nationale Lösungen reichten Schmalzls Ansicht nach nicht mehr. Schaut man auf die Dominanz Paypals bei Zahlungen im deutschen Onlinehandel oder auch darauf, wie abhängig die deutsche Girocard beim Auslandseinsatz von den Zahlungsnetzwerken des US-Kreditkartenduopols von Mastercard und Visa ist, lässt sich das schwer von der Hand weisen.


(axk)

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