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E-Mails aus Führungsetagen sollen Altersdiskriminierung bei IBM belegen

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IBM wird schon seit einiger Zeit nachgesagt und dafür juristisch angegangen, ältere Mitarbeiter zu diskriminieren und dafür sorgen zu wollen, dass sich die Belegschaft verjüngt. Ein New Yorker US-Bundesbezirksgericht hat nun in einem Sammelklageverfahren entschieden, dass E-Mails aus höheren Ebenen des Unternehmens zu dem Thema öffentlich zugänglich werden, berichten US-Medien. (Lohnn v. International Business Machines Corp., 21-cv-06379, U.S. District Court, Southern District of New York)

Aus den E-Mails soll ersichtlich sein, wie IBM-Führungskräfte die Notwendigkeit betonen, die Reihen älterer Mitarbeiter zu lichten und jüngere einzustellen, berichtet die New York Times. Ältere würden als „Dinobabies“ verspottet, die eine „ausgestorbene Spezies“ werden sollten. Es werde auch diskutiert, wie Ältere dazu bewegt werden könnten, IBM zu verlassen. Die Zeitung hat sich selbst als Unbeteiligte in das Verfahren und den ersten Zusatzartikel der US-Verfassung, in dem es unter anderem um Rede- und Pressefreiheit geht, als Argument zur Verwendung der E-Mails eingebracht.

Die E-Mails sollen zuvor in Schiedsverfahren aufgetaucht sein, heißt es in dem Zeitungsbericht; von wem sie stammen, wird darin nicht beschrieben. In solchen internen Schiedsverfahren, die auch in anderen Unternehmen üblich sind, können bei IBM seit 2014 entlassene Mitarbeiter ihre Ansprüche gegenüber dem Unternehmen geltend machen. Einige hätten sich darauf eingelassen, wodurch sie auf ihr Recht auf eine offizielle Klage verzichteten, andere nicht, sie verzichteten dadurch auf ihre Abfindung.

Die Non-Profit-Newsplattform Propublica ging bereits im Jahr 2018 davon aus, dass in den fünf Jahren davor etwa 20.000 US-Mitarbeiter „aussortiert“ hat, die älter als 40 Jahre waren. Das habe knapp zwei Drittel der Gesamtzahl der Arbeitsplätze, die IBM in der Zeit abbauen wollte. Insgesamt habe IBM seine Belegschaft seit der Hochzeit in den 1980er Jahren um etwa drei Viertel reduziert und dabei ältere durch jüngere, weniger erfahrene und weniger verdienende Mitarbeiter ersetzt. Der Age Discrimination in Employment Act sieht in den USA vor, dass Menschen in einem Alter ab 40 Jahren besonders geschützt sind.

IBM weist die Vorwürfe laut New York Times zurück, das Unternehmen habe nie systematisch ältere Menschen diskriminiert. Die Äußerungen in den E-Mails entsprächen nicht der Praxis des Unternehmens. Manche Mitarbeiter hätten gehen müssen, weil ihre Fähigkeiten nicht den veränderten Geschäftsbedingungen entsprochen hätten, nicht wegen ihres Alters. Von 2010 bis 2020 habe IBM mehr als 10.000 Menschen in einem Alter über 50 Jahre eingestellt, in der Zeit habe das Durchschnittsalter der Belegschaft gleichbleibend 48 Jahre betragen. Die Schiedsverfahren würden angeboten, weil durch sie die Privatsphäre der Betroffenen besser geschützt werde.


(anw)

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