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e-Rezept: Massive Zweifel am „erfolgreichen“ Test

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Unter den Gesellschaftern der Projektgesellschaft Gematik ist ein Streit über das elektronische Rezept ausgebrochen, das derzeit getestet wird und im Januar eingeführt werden soll. Nahezu alle Leistungserbringer des deutschen Gesundheitswesens haben in einem offenen Brief Zweifel an der Aussagekraft der bisherigen Tests angemeldet. Die Gematik sprach von einem „erfolgreichen“ Test.

Bereits zum 3. Januar 2022 sollen alle Vertragsärzte e-Rezepte für die Versicherten der gesetzlichen Krankenkassen ausstellen und auf den Rezept-Server schicken können. Die Leistungserbringer und Apotheker bezweifeln das: „Ob alle Anwendungen uneingeschränkt funktionieren, ist aufgrund des niedriger ausgefallenen Testvolumens zweifelhaft“, heißt es in dem Schreiben.

Bisher seien nur 42 solcher Rezepte in einer Arztpraxis ausgestellt und in einer Apotheke eingelöst worden, heißt es in dem Brief, den die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV), die Bundesärztekammer (BÄK), die Bundeszahnärztekammer (BZÄK), die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) und der Deutschen Apothekerverband (DAV) unterzeichnet haben. Zudem sei kein einziges Krankenhaus an dem Test beteiligt.

Unterdessen wurde der Test laut der Gematik von der „Fokusregion Berlin-Brandenburg“ am heutigen Mittwoch auf ganz Deutschland ausgeweitet. Die Ärzte und Apotheker halten das angesichts des bisherigen Verlaufs für „nicht sinnvoll“. Ihr Gegenvorschlag, den Test „an transparente Qualitätskriterien anzubinden“, sei abgelehnt worden. Das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) hat mit einer Mehrheit von 51 Prozent das Sagen in der Gematik.

Die Projektgesellschaft räumt zwar ein, dass bisher nicht alles optimal gelaufen ist, sieht die Schuld dafür aber bei Krankenkassen und Software-Anbietern. „Trotz des mehrfachen Angebots haben bisher nur vier Praxisverwaltungssysteme an der Testphase teilgenommen, obwohl der Marktanteil der von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) zertifizierten Praxisverwaltungssysteme bereits bei 94 Prozent liegt“, teilte die Gematik mit. „Auch die Anzahl der aktuell aktiv beteiligten Krankenkassen (AOK Nordost, IKK BB) ist noch zu gering.“

Die Projektgesellschaft fordert nun ein „gemeinsames Miteinander“ aller Beteiligten: „Ein Projekt dieser Größenordnung kann nur gemeinsam mit allen Beteiligten und Partnern gelingen.“ Ob alle Beteiligten am gleich Strang ziehen, darf durchaus bezweifelt werden. Auf mehrfache Bitte von heise online war die zuständige kassenärztliche Vereinigung nicht in der Lage, eine Arztpraxis in der „Fokusregion“ Berlin zu nennen, die ein papierloses e-Rezept für einen Versicherten mit NFC-Gesundheitskarte und Telematik-PIN ausstellen kann.


(vbr)

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