Start Nachrichten Elektro-Motorrad Stark Varg: Rettungsversuch für den Gelände-Breitensport

Elektro-Motorrad Stark Varg: Rettungsversuch für den Gelände-Breitensport

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Elektrifizierte Bikes haben gravierende Nachteile: geringe Reichweite, lange Ladezeiten, mehr Gewicht und hohe Preise. Es gibt aber zwei Bereiche, in denen Elektroantriebe Vorteile bieten. Erstens in der urbanen Mobilität, wo Reichweite praktisch keine Rolle spielt. Hier werden sich kleine, leichte Elektro-Roller und -Bikes langfristig durchsetzen.

Zweitens im Motocross, weil hier Lautstärke und Umweltbelastung ein immer größeres Problem darstellen. Die meisten Motocross-Strecken kämpfen mit hohen Auflagen seitens der Behörden und mit Beschwerden von Anwohnern. In den vergangenen Jahren ist in Europa jede fünfte Motocross-Strecke wegen zu hoher Lautstärke geschlossen worden.

Die Überlegungen der Firma Stark Future setzten genau hier an. Sie konstruierte einen Elektro-Motocrosser namens Varg, schwedisch für „Wolf“. Damit Antriebsstrang und Chassis perfekt harmonieren und sicher auch, um noch ein paar Argumente mehr gegenüber der traditionellen Technologie ins Feld führen zu können, wurde die Varg von Grund auf neu entwickelt. Stark verspricht, dass der Elektromotor mit 59 kW um rund 30 Prozent leistungsstärker ist als ein 450er-Motocross-Bike mit Verbrennungsmotor.

Das alleine wäre kein Kunststück, doch baut Stark nach eigenen Angaben auch den leichtesten Rahmen im Motocross. Der Hersteller gibt ein Gewicht von 110 Kilogramm an – nur geringfügig mehr als eine 450er – und die Federelemente entsprechen dem aktuellen Stand im Geländesport. Weil Elektrotechnik das eben auch kann, lässt sich per Smartphone die Leistungscharakteristik beliebig verändern. So kann ein 125er-Zweitakter ebenso simuliert werden wie ein 450er-Viertakter. Egal welche, jede ehrliche Simulation einer Verbrenner-Charakteristik dürfte die Nachteile der spitzen Leistungsentfaltung schnell deutlich machen und den Nutzer rasch in den bei jeder Drehzahl gleich kräftigen, ungefilterten Elektromodus zurückkehren lassen.

Der Mitbegründer und CEO von Stark Future, Anton Wass, stammt aus Schweden, die Firma ist in Barcelona angesiedelt. Zwei Jahre lang entwickelte ein hochkarätiges Team die Varg und jedes Detail wurde sorgfältig durchdacht, schließlich soll sie im Wettbewerb zukünftig Siege einfahren. Als Cheftester fungiert kein Geringerer als Ex-Weltmeister Sébastien Tortelli. Der Franzose äußert sich enthusiastisch über die Varg: „Fahrwerkstechnisch und fahrtechnisch habe ich mich sofort zu Hause gefühlt. Ich fühle mich großartig auf der Strecke und ich kann mit diesem Motorrad Rennen fahren. Es ist eine erstaunliche Erfahrung, in Stille zu fahren. Du kannst hören, wie das Motorrad Traktion aufnimmt, das Schlagen der Steine und die Sprünge.“


Lautlose Elektroantriebe könnten die Zukunft des Motocross sein. Stark Future hat mit der Varg mächtig vorgelegt und will bald die Crosspisten dominieren.

Mit dem amerikanischen Supercross-Star Josh Hill hat Stark noch einen zweiten Top-Tester im Team. „Die Varg hat wahrscheinlich die reaktionsschnellste Power, die ich je auf einem Motorrad gespürt habe“, erklärt Hill. Die aus dem Stand bei jeder Drehzahl sofort abrufbare Kraft ist ja einer der ganz entscheidenden fahrdynamischen Vorteile eines Elektromotors gegenüber einem Verbrenner. Die Varg benötigt deshalb auch weder über Kupplung noch Schaltung.

Das Design der Kunststoffteile und der Sitzbank orientiert sich an herkömmlichen Motocrossern, auch wenn natürlich auf den Tank verzichtet wurde. Das Seitenteil besteht aus einem Stück und ist mit fünf Schrauben befestigt. Beim Fahrwerk griff Stark zu bewährten Komponenten vom japanischen Spezialisten Kayaba. Upside-down-Gabel und Federbein sind voll einstellbar und arbeiten auf satten 310 Millimeter Federweg. Stark verkündet stolz, den leichtesten Motocross-Rahmen der Welt zu bauen. Die Batterie fungiert darin als tragendes Element.

Der Rahmen aus Chrom-Molybdänstahl wurde sorgfältig austariert für den seitlichen, vertikalen und torsionalen Flex, der beim Motocross eine große Rolle spielt. Der Hilfsrahmen aus Aluminium verwendet gerade Rundrohre und geschmiedete Verbindungen. Im Heck verfügt er über integrierte Griffe, um das Motorrad anheben zu können. Vorne besitzt die Varg einen Kohlefaser-Hilfsrahmen für Frontspoiler und Sitz, der auch noch gleichzeitig als Trichter dient, um den Luftstrom zu Batterie und Motor zu lenken.

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