Start Nachrichten Extrem schneller 3D-Drucker mit tollen Ergebnissen: Flsun Super Racer im Test

Extrem schneller 3D-Drucker mit tollen Ergebnissen: Flsun Super Racer im Test

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Neben den weit verbreiteten 3D-Druckern mit kartesischem Aufbau – wie der beliebte Ender 3 v2 (Testbericht) oder der aktuell gefragte Anycubic Vyper (Testbericht) sind Delta-Drucker die Exoten. Sie gelten als kompliziert. Reparaturen sollen schwierig sein und die maximale Größe der Druckteile ist aufgrund der Bauart und des dadurch bedingten runden Druckbettes begrenzt – so der Mythos.


Der österreichische 3D-Druck-Spezialist 3D Jake hat uns den Flsun Superracer mit den Worten „Der ist im Kommen“ ans Herz gelegt und das Testgerät zur Verfügung gestellt. Wir hatten schon ein vergleichbares Modell im Test, den Monoprice Mini Delta V2 (Testbericht), der uns mit Plug & Play, guten Ergebnissen und günstigem Preis überzeugt hat. Der Flsun Super Racer muss sich mit einem stolzen Preis 499,00 Euro schon mehr ins Zeug legen.


Es fängt gut an. Der Super Racer ist gut verpackt, sein Metallrahmen ist hochwertig verarbeitet – und neben dem Drucker gibt’s jede Menge praktisches Zubehör im Karton. Für eine so hochkomplexe Mechanik hat der Drucker einen erstaunlich einfachen Aufbau. Selbst der Druckkopf wird lediglich eingeklipst – das war es! Die Vermessung des Druckbettes übernimmt ein aufsteckbarer Level Sensor. Filament einlegen und schon kann es losgehen: Dieser Drucker ist auch für Einsteiger geeignet.


Und dann sehen wir: In Cura ist die Druckgeschwindigkeit auf 120 mm/s voreingestellt. Solche Zahlen lösen ein unangenehmes Gefühl bei jedem mit 3D-Druckerfahrung aus. Man weiß: Wer saubere Druckergebnisse möchte, sollte sich bei der Druckgeschwindigkeit zwischen 35 und 60 mm/s bewegen. Ein Versuch war es wert. Und in der Tat: Was der Flsun Super Racer dann mit 120 mm/s rausknallt, hat selbst uns erstaunt.

























Zugegeben: Die Montage gestaltet sich bei einem Delta-3D-Drucker ein wenig komplizierter als beim klassischen kartesischen Aufbau. Der Bausatz des Flsun Super Racer besteht aus der unteren und oberen Plattform und den drei Führungsschienen. Laufschienen und Motoren sind bereits vormontiert, ebenso wie der Druckkopf. Dazu gibt es noch drei aus Carbon gefertigte, doppelte Verbindungsstäbe.



Zuallererst werden die Führungsschienen mit je vier Schrauben am oberen Rahmen fixiert. Danach den unteren Rahmen aufstecken und das Prozedere wiederholen. Nun steht das Chassis und wir können mit der Montage des Druckkopfes beginnen. Dieser wird lediglich in die doppelten Führungsstangen aus Carbonröhren eingespannt. Sie sind mit Federn gespannt und besitzen am Ende gegenüberliegende Gelenkpfannen, die man einfach in die Gelenkköpfe von Druckkopf und Führungsschiene einclipst. Besonders erfreulich waren die präzise vorgefetteten Gelenkpfannen.


Also einfach den ersten doppelten Führungsstab einspannen, beim zweiten und dritten den Druckkopf festhalten. Danach das Konstrukt mit den Gelenkköpfen an den Motorlinearschienen verbinden. Das war’s schon. Der Aufbau des kompliziertesten Teils des Deltadruckersystems ist erledigt. Das haben wir uns schwieriger vorgestellt – und kennen das auch von anderen Druckern nicht so komfortabel.



Die nächsten Schritte sind oben den Extruder anbringen und die Kabelenden aus dem oberen Chassis mit dem Druckkopf verbinden. Dank unterschiedlicher Farbmarkierungen klappt das einfach und verständlich. Eine Kabelbuchse bleibt für die Kalibrierungseinheit zunächst unbenutzt.


Zwischen Extruder und Druckkopf spannt man den weißen Bowdenschlauch, schon ist der Flsun Super Racer einsatzbereit.


Nachdem er eingeschaltet ist, will der Drucker erst einmal kalibriert werden. Dafür benötigen wir den kleinen, mitgelieferten Aufsatz. Dieser wird von unten auf den Druckkopf aufgeklipst und das Kabel mit dem freigebliebenen weißen Kabelende verbunden. Danach starten wir das Auto Leveling. Die Software fragt nach, ob der Sensor auch aufgeclipst ist. Hat man das bestätigt, vermisst der Flsun Super Racer eigenständig sein Druckbett. Danach nicht vergessen, den Sensor wieder abzunehmen. Böse Stimmen behaupten, dass dies selbst Profis wie uns schon passiert ist. Ähem.


























Die Software des Flsun Super Racer wird über einen kapazitiven Farb-Touchscreen gesteuert. Verbunden über ein Spiralkabel, hält er je nach Bedarf weiter unten oder oben an der Strebe des Flsun Super Racer mittels einer Magnethalterung. Das Display selbst ist übersichtlich gestaltet, alle nötigen Einstellungen sind vorhanden. Kleiner Wermutstropfen: Die Druckgeschwindigkeit kann man während des Druckens auf maximal 200 % steigern, danach ist Schluss.



Der Flsun Super Racer arbeitet mit leisen TMC Steppertreibern, was sich im Betrieb deutlich zeigt. Generell ist der Super Racer ein sehr leiser Drucker. Im normalen Betrieb ist das lauteste Geräusch der Extruder, wenn er den Retract bei Drucksprüngen vollführt – also vor dem Anheben des Druckkopfs vom Bauteil das Filament schnell ein Stück zurückzieht, damit er beim Bewegen keine Fäden zieht.

























Die Verarbeitung der Laufschienen ist einwandfrei. Alles ist solide und präzise gefertigt. Das komplette Gehäuse inklusive der Führungsstäben für die Motoren ist aus Metall gefertigt. Daran können sich andere Hersteller ein Beispiel nehmen.


Das Druckbett besteht aus einem mit Carborundum beschichteten gehärteten Glasplatte. Diese Platten sind der momentane Standard. Großer Vorteil: Durch die punktierte, mit unterschiedlichen Texturen ausgestattete Oberfläche entstehen Spannungen beim Abkühlen des Druckteils. Nach dem Abkühlen lassen sich die Druckergebnisse problemlos vom Druckbett lösen.


Das Filamentverarbeitungssystem besteht aus einem Druckkopf, der über einen Bowdenschlauch mit einem Dual Gear Extruder verbunden ist. Der Druckkopf hat eine doppelte Bauteilkühlung und die Halterungen für die Gelenkköpfe sind aus einem Guss. Auch der Extruder ist kein China-Standardteil.

























Für die Qualität ist die Druckgeschwindigkeit atemberaubend. Wir druckten den USB-Halter und den Kalifa mit einer Geschwindigkeit von 120 mm/s. Als Filament wählten wir das magicPLA DEEP SPACE von 3D Jake und erhielten ein sehr sauberes Ergebnis. Lediglich ein kleines Manko gibt es, was wir aber auch von vielen anderen 3D-Druckern her kennen: Die Spitzen werden durch die Abwärme der heißen Düse unsauber.


Danach wollten wir wissen, was wirklich in dem Super Racer steckt. Schafft er das Pantheon mit 200 mm/s und den Kabelbinderhalter mit 300 mm/s? Zugegeben: Bei 300 mm/s hören sich selbst die Druckbewegungen des Flsun Super Racer nicht mehr gesund an, aber der Druck wurde sehr gut.


Einziger wirklicher Nachteil des Flsun Super Racer ist das Spinning – er zieht also Fäden. Wir haben zuerst bei dem Kabelbinderhalter starkes Spinning festgestellt. Um das zu lösen, haben wir die Retract-Geschwindigkeit in den Slicer-Einstellungen in Cura erhöht. Siehe da: Es wurde deutlich besser. Zwar waren noch immer hauchdünne Fäden zu sehen. Abhilfe verschafft ein Bunsenbrenner, mit dem man die Fäden einfach schmelzen kann. Wir vermuten, dass die Retract-Geschwindigkeit einfach nicht hoch genug ist, um die schnellen Druckbewegungen zu kompensieren. Auch möglich ist, dass der lange Weg des Filamentes von Extruder zu Düse über den Bowdenschlauch zu Problemen führt. Das verzerrt die schnellen Retract-Zeiten. Schlussendlich ist es eine Frage der Feinjustierung von Druck- und Retract-Geschwindigkeit. Was dort der beste Mittelweg ist, welche Feinheiten wir herausgefunden haben, veröffentlichen wir dann in unserem Langzeittest der Bestenliste: Top 10 der FDM-3D-Drucker.

























Für den Preis von 499 Euro bei 3D Jake ist der Flsun Super Racer ein extrem schneller und leiser 3D Drucker mit einer ordentlichen mittelgroßen Bauraum für 3D Drucker. Wer noch mehr Luxus will, der sollte auf den Flsun V400 High Speed warten, den es ab Oktober für 750 Euro mit Direct-Drive-Extruder und einem Bauraum von 300 x 400 mm geben wird. Wer schnell viel drucken muss, wird definitiv zufrieden mit dem Flsun Superracer sein, wenn die 260-mm-Druckbettfläche im Durchmesser ausreicht.



Quelle

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