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Flex Rover: Venturi Astrolab entwickelt flexibel einsetzbares Mondfahrzeug

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Das US-amerikanische Luft- und Raumfahrt-Start-up Venturi Astrolab entwickelt einen Rover, der auf dem Mond Menschen und Material transportieren können soll. Mit dem Rover wolle das Unternehmen die NASA und kommerzielle Weltraumunternehmen beim Aufbau einer langfristigen Präsenz auf dem Mond unterstützen, teilte Astrolab am Donnerstag mit. Ein maßstabsgetreuer Prototyp des Flex (Flexible Logistics and Exploration) wurde bereits im Death Valley, in der kalifornischen Wüste, getestet.

„Unternehmen wie SpaceX und Blue Origin lösen das Problem des Langstreckentransports, und wir wollen das Problem des lokalen Transports lösen – und letztlich den Standard für die Mondlogistik setzen“, beschreibt Jaret Matthews, Chef des 2020 gegründeten Unternehmens, das Ziel, das er und sein Mitarbeiter-Team antreibt, einen auch unter extremen Bedingungen funktionierenden Mond-Rover zu entwickeln. Matthews sieht hier wirtschaftliches Potenzial, wie er im Tech-Magazin The Verge ausführt. Denn das Bestreben, erneut Menschen auf den Mond zu schicken, wie etwa mit dem Artemis-Programm der NASA, würden dort Transportmöglichkeiten für Menschen und Material benötigen, wenn langfristige Basen auf dem Mond aufgebaut werden sollen.

Matthews ist kein Fantast und weiß, wovon er redet. Zuvor war er beim Jet Propulsion Laboratory der NASA und danach für Elon Musks Weltraumfirma SpaceX tätig. Bei der NASA war er an der Entwicklung der Rover Spirit und Opportunity für den Mars beteiligt. Bei SpaceX arbeitete er am Crew-Dragon-Tranporter, dabei speziell an der Technik zum Andocken an die Internationale Weltraumstation ISS.

Der Ansatz des Flex Rovers erscheint auf den ersten Blick einfach: Er soll so viel wie möglich Fracht bewegen können, muss dabei aber auch den widrigen Umweltbedingungen auf dem Mond standhalten. Um möglichst effektiv Fracht transportieren zu können, schwebt Matthews der Transport in für den Mond normierten Container vor. Ähnlich wie in der Schifffahrt könnten solche Container in einem Standardformat einfacher und effektiver transportiert werden, meint er.

Der von Astrolab entwickelte und gebaute Prototyp soll genau das leisten können. Mit seinem modularen Nutzlastkonzept soll er flexibel an den gewünschten Einsatzzweck angepasst werden können. So könne er standardisierte Container aber auch andere Lasten unter seinem Bauch transportieren. Dazu sei der Rover absenkbar, um die Last einfacher aufnehmen zu können. Daneben lasse er sich halbautonom betreiben und aus der Ferne steuern. Bei Bedarf kann Flex Astronauten über die Mondoberfläche transportieren, die den Rover dann auch selbst steuern können. Eine entsprechende Schnittstelle zur Steuerung sei an Bord.

Dass das funktioniert, konnte Astrolab bereits in einem Test in der kalifornischen Wüste im Death Valley unter extremen Temperaturen ausprobieren. Dort testete man den Transport von Lasten und stellte den Aufbau eines Solarpanels nach. Mit an Bord des Flex Rovers war auch der ehemalige kanadische Astronaut Chris Hadfield, der Weltraummissionen der NASA mit „Atlantis“ und „Endeavour“ Mitte der 90er-Jahre und Anfang der 2000er absolvierte. Er gehört außerdem dem Beratungsgremium von Astrolab an, das bei der Entwicklung des Rovers unterstützt.



(Bild: Venturi Astrolab)

Denn die Arbeit an Flex ist längst nicht abgeschlossen. Der Test in der kalifornischen Wüste habe noch einiges an Verbesserungspotenzial des elektrisch angetriebenen Rovers aufgezeigt. Der Prototyp sei noch sehr robust aufgebaut, dies sei den Tests auf der Erde geschuldet, auf der die Schwerkraft höher ist als auf dem Mond. Für den Einsatz dort soll der finale Rover dann nur noch 500 Kilogramm schwer sein, ohne dass die Robustheit darunter leidet.

Darüber hinaus ist eine Anpassung an die extremen Minus-Temperaturen auf dem Mond nötig. Entsprechend müssten die Isolierung und die Akkus ausgelegt sein, die den Rover warmhalten und antreiben. Aufgeladen werden sollen sie über externe Solaranlagen, die den notwendigen Strom liefern.

Als potenzielle Kunden kommen die NASA und beispielsweise SpaceX infrage, dessen Hauptsitz sich in Hawthorne in unmittelbarer Nähe zu Astrolab befindet. Die NASA hat 2021 Unternehmen dazu aufgerufen, Mondfahrzeuge zu entwickeln, die Menschen und Material in zukünftigen Artemis-Missionen auf dem Mond transportieren können sollen. Eine bemannte Mondlandung war ursprünglich für 2025 angestrebt, verzögert sich aber wohl um weitere Jahre. Nach Angaben von Astrolab sei man im Gespräch mit der NASA.

Das angedachte Geschäftsmodell von Astrolab sieht allerdings nicht den Verkauf der Flex Rover vor. Primär wolle man die Transportdienstleistung bezahlt bekommen, ähnlich einem Paketdienstleister wie DHL oder UPS auf der Erde.

Bis der erste Rover zum Mond fliegen kann, wird noch einige Zeit vergehen. Zunächst werden Test auf der Erde stattfinden, in denen die Mondbedingungen simuliert werden, unter anderem in einer eigenen Thermalvakuumkammer. Der Flug zum Mond und das Absetzen der Rover könne mit unterschiedlichen Raketen und Landern erfolgen. Das muss allerdings möglichst schon geschehen sein, bevor die ersten Astronauten wieder auf dem Mond landen.


(olb)

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