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Politik: Startup-Strategie soll Gründungen erleichtern

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Das Bundeswirtschaftsministerium hat der Bundesregierung Anfang Juni den Entwurf für eine Startup-Strategie vorgelegt. Die Strategie setzt an einer Vielzahl von Stellen an. Es geht um Risikokapital, Mitarbeiter-Kapitalbeteiligungen, Einwanderungsrecht und Ausgründungen aus der Wissenschaft. Wie steht es um die Gründerszene in Deutschland? Ein Überblick.

Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland rund 583.000 Unternehmen gegründet. Das waren 7,2 Prozent mehr als im Jahr davor. Eine Vielzahl davon waren Handwerker, Rechtsanwälte oder klassische Kapitalgesellschaften. „Diese Firmen haben meist keinen Innovations- und Wachstumscharakter wie Startups“, sagt Jannis Gilde, Projektleiter Forschung beim Bundesverband Deutsche Startups. Der Anteil von Startups an den Neugründungen ist sehr klein. Startupdetector wertet alljährlich das Handelsregister aus und kommt für 2021 auf 3.300 Startup-Gründungen. Das sind junge Unternehmen in der Frühphase ihrer Entwicklung mit hohem Wachstumspotenzial und innovativem Ansatz.

Von den im vergangenen Jahr gegründeten Startups beschäftigen sich die meisten mit Software (471), vor Medizin (351) und E-Commerce (338). „Spannender als nach der Branche ist die Auswertung nach dem Geschäftsmodell“, sagt Gilde. Mehr als die Hälfte aller Startups mit Geburtsjahr 2021 haben ein digitales Geschäftsmodell. Nach dem jährlich erstellten Startupmonitor des Bundesverbands Deutsche Startups sind es sogar 65 Prozent. Ein Viertel aller Neugründungen verfolgt danach einen hybriden Ansatz und nur noch ein kleiner Teil will rein analog agieren.

Das aktuell wertvollste Startup Deutschlands ist Celonis, eine Ausgründung von drei Studierenden der TU-München. Der Anbieter von Software, mit der Unternehmen ihre Geschäftsprozesse analysieren und verbessern können, wurde 2011 gegründet. Zehn Jahre später war Celonis umgerechnet 10,5 Milliarden Euro wert. Darauf folgen die Smartphone-Bank N26 mit einer Bewertung von rund 9 Milliarden Euro und Personio, ein Spezialist für Personalverwaltungssoftware, mit 8 Milliarden Euro. „Nur ein kleiner Teil der Startups kann so erfolgreich werden“, sagt Gilde. Andere werden typische Mittelständler mit 10 bis 20 Mitarbeitern, die meisten scheitern.

Laut weiteren Auswertungen von Startupdetector nehmen Gründungen in den letzten Jahren zu. Im vergangenen Jahr um etwa 800 gegenüber 2019. Die meisten Startups wurden in Berlin (747) vor Bayern (613) und Nordrhein-Westfalen (571) gegründet. In die Hauptstadt fließt das weitaus meiste Wagniskapital.

Deutschlandweit sind Startup-Gründer ähnlich. Wie der Startupmonitor zeigt, sind es überwiegend Männer und nur zu einem kleinen Anteil (18 Prozent) Frauen. Die meisten (85 Prozent) haben einen akademischen Abschluss, „was nicht überraschend ist, weil die Idee für das Geschäftsmodell in den allermeisten Fällen eine Innovation ist“, sagt Gilde. Jedes vierte Startup hat seinen Ursprung an einer Hochschule, jedes zehnte ist eine Ausgründung aus der Forschung und der große Rest gründet unabhängig davon.

In der ersten Phase wird häufig mit eigenen Mitteln finanziert und fast die Hälfte erhält staatliche Fördermittel von Bund und Ländern. „Für die Anschubfinanzierung gibt es eine Vielzahl an öffentlichen Fördermöglichkeiten“, sagt Gilde. Im zweiten Finanzierungsschritt folgen Investoren und Venture Capital. Investoren sind oft Business Angels, die selbst erfolgreich gegründet haben und jetzt andere Startups mit Kapital unterstützen. Venture Capital ist außerbörsliches Kapital für die Beteiligung an besonders riskanten Unternehmungen.

Und riskant sind Startups überwiegend. „Es gibt Hinweise darauf, dass 60 bis 90 Prozent mit ihrer Gründung scheitern“, sagt Gilde. Der Exit, also die Übernahme durch ein anderes, etabliertes Unternehmen, ist ein wichtiger Teil des Startupkreislaufs, durch den die Investoren ihr Kapital – mit möglichst hohem Gewinn – zurückbekommen.

Der Bundesverband Deutsche Startups „ist zufrieden mit dem Entwurf zur Startup-Strategie der Bundesregierung“, sagt Gilde. Jetzt gehe es darum, dass die gute Idee wie geplant in der Praxis ankommt und in seiner Abstimmung nicht zwischen den Ministerien aufgeweicht wird

Thomas Neumann leitet die Gründerschmiede am KIT, dem Karlsruher Institut für Technologie, einer technischen Universität. Die Gründerschmiede unterstützt Studierende und Forschende des KIT sowie Externe bei der Gründung eines Startups von der ersten Idee bis zum Exit. „Während der Pandemie haben wir vermehrt Anfragen um Unterstützung erhalten, manchmal auch, weil Firmen kaum eingestellt haben“, sagt Neumann. Jetzt normalisiert sich das Gründergeschehen wieder. Auch Neumann stellt tendenziell eine Zunahme von Startupgründungen fest.

2021 begleitete die Gründerschmiede 37 Ausgründungen von Studierenden und wissenschaftlichen Mitarbeitern des KIT, gut 20 davon hatten IT-basierte Geschäftsmodelle. Von Studenten gegründete Startups hatten fast ausschließlich Software zum Inhalt. „Solche Gründungen gehen schnell und sind anfangs mit wenig Kapital möglich“, sagt Neumann. Das finanzielle Risiko ist gering.

Nach seiner Erfahrung sind Gründer Personen mit einem starken Interesse an ihrem Thema und davon überzeugt, dass ihr Produkt gut ist und gebraucht wird. „Sie brauchen Durchhaltevermögen und Nehmerqualitäten, weil Rückschläge unvermeidbar sind“, sagt Neumann. Alle sollten gerne im Team arbeiten, denn der Daniel Düsentrieb, der im stillen Kämmerlein allein vor sich hin tüftelt, ist lange ausgestorben.

Im ersten Halbjahr wurden von der KIT-Gründerschmiede etwa 80 Teams beraten. Um die 15 kamen nach der Erstberatung nicht mehr. Manche überdenken ihre Geschäftsidee neu und andere haben ihre Gründungsidee verworfen, weil sie keine Aussicht auf Erfolg hat. „Mit ihrer ersten Ausgründung sind die wenigsten erfolgreich“, sagt Neumann. Deren Chancen verbessern sich jedoch aufgrund der gemachten Erfahrungen mit der zweiten und dritten Gründung. Wer es einmal versucht hat, der gründet gerne wieder.


(axk)

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