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Starlink: Mehr Streifen auf astronomischen Fotos, Forschung nicht beeinträchtigt

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Zu bestimmten Tageszeiten enthalten schon fast 20 Prozent der astronomischen Aufnahmen einer Himmelsdurchmusterung in Kalifornien Spuren von Starlink-Satelliten. Das ist das Ergebnis einer Analyse von Aufnahmen, die vom Zwicky Transient Facility (ZTF) am Palomar-Observatorium in der Nähe von San Diego zwischen November 2019 und September 2021 gemacht wurden. Waren kurz nach Beginn des Aufbaus von Starlink nur 0,5 Prozent der Aufnahmen in der Dämmerung betroffen, seien es im Spätsommer des vergangenen Jahres bereits über 18 Prozent gewesen. Gleichzeitig sei die wissenschaftliche Arbeit davon aber „nicht stark betroffen“, da ein einzelner der von den Satelliten verantworteten Streifen auf den Aufnahmen weniger als ein Zehntel eines Prozents der Pixel betrifft.

Starlink ist ein Projekt von Elon Musks Raumfahrtunternehmen SpaceX, das mit Tausenden Satelliten in einer niedrigen Umlaufbahn Regionen ans Internet anschließen soll, die über konventionelle Technik nicht wirtschaftlich anzubinden sind. Dafür wurden bereits etwa 2000 Satelliten gestartet, für mehr als 2000 weitere gibt es eine Genehmigung. Geplant sind aber mehrere Zehntausend, zudem wollen auch andere Firmen eigene Mega-Konstellationen aufbauen.

Während zuletzt die wachsende Gefahr von Satellitenkollisionen in den Blickpunkt gerückt war, üben Astronomen und Astronominnen seit längerem Kritik an den Plänen, weil sie um den weitgehend ungestörten Blick ins All fürchten. Zehntausende Satelliten würden aber für alle den nächtlichen Blick nach oben beeinträchtigen.

Die Analyse der Aufnahmen vom Zwicky Transient Facility liefert nun weitere Daten dazu, wie groß die Auswirkungen der Satelliten tatsächlich sind. Solche Himmelsdurchmusterungen sind von Mega-Konstellationen wie Starlink besonders betroffen, weil sie große Teile des Himmels regelmäßig ablichten, um Veränderungen zu finden oder beispielsweise nach Asteroiden zu suchen. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich auf den vielen dabei gemachten und automatisiert ausgewerteten Aufnahmen Streifen finden, die von vorüberziehenden Satelliten stammen, sind dementsprechend groß. Weil es sich aber um dünne Streifen handelt, seien die Folgen für die Astronomie bislang nicht sehr groß. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich genau hinter solch einem Streifen ein Asteroid oder ein unbekanntes Ereignis versteckt, sei sehr gering.

Dass von Starlink-Satelliten stammende Streifen nur auf Aufnahmen aus der Dämmerung zu sehen sind, liegt daran, dass die da noch von der Sonne angestrahlt werden, während es auf dem Erdboden schon dunkel wird. Dass Mega-Konstellationen vor allem diese beeinträchtigen, war bereits bekannt. Zu dieser Tageszeit wird unter anderem nach erdnahen Asteroiden gesucht, die unserem Heimatplaneten gefährlich werden können. Przemek Mróz, der die Analyse der Zwicky-Daten geleitet hat, geht davon aus, dass künftig alle Aufnahmen aus der Dämmerung mindestens einen Streifen enthalten. Auswirkungen auf Aufnahmen zu späterer Stunde erwartet er nicht, außer wenn andere Mega-Konstellationen in höheren Orbits aufgebaut würden.

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Ermittelt haben die Forscher außerdem, dass die Maßnahmen von SpaceX zur Abdunkelung der Starlink-Satelliten geholfen und diese tatsächlich um das Fünffache abgedunkelt haben. Trotzdem seien sie noch heller, als in einem 2020 erarbeiteten Standard vorgegeben. All diese Daten hat die Gruppe in einem Fachartikel zusammengetragen, der im Fachmagazin The Astrophysical Journal Letters veröffentlicht wurde. Sie weisen explizit darauf hin, dass ihr Ergebnis nur für die Zwicky Transient Facility gilt. Auch künftige Teleskope, etwa mit deutlich sensiblerer Technik oder anderen Aufgaben, könnten von Internetsatelliten wie jenen von Starlink deutlich negativer beeinträchtigt werden. Vor unerheblichen bis extremen Folgen für die Astronomie hatten schon die American Astronomical Society und die Europäische Südsternwarte gewarnt.

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(mho)

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