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Sustainability in Software Engineering – Teil 5: Klimakompensation

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Die ersten vier Teile dieser Kolumne haben sich mit der Frage beschäftigt, wie sich CO2-Emissionen in den unterschiedlichen Bereichen der Softwareentwicklung reduzieren lassen. Im Fokus standen unter anderem die Produktion der Hardware, die zu Hause, im Büro oder auch in Rechenzentren steht, und der allgemeine Energieverbrauch, verbunden mit der Schwierigkeit, alles zu jeder Zeit mit erneuerbaren Energien zu betreiben. Zu den subtileren Faktoren gehören Geschäftsreisen und die damit verbundenen Schwierigkeiten, die dadurch entstehenden Emissionen auf null zu reduzieren.

Durch ihre Aufgaben haben Softwareentwickler ungeahnte Möglichkeiten, die Zukunft zu gestalten. Vielmehr noch es liegt auch in ihrer Verantwortung, für ein besseres Morgen zu sorgen. Eine neue Kolumne auf heise Developer von Martin Lippert.

Trotz der enormen Herausforderungen schreiben viele Unternehmen auf ihren Websites, dass sie bereits klimaneutral beziehungsweise CO2-neutral sind oder sie zumindest einzelne Produkte auf die Weise herstellen. Wie passt das zusammen?

In der Regel sind die Unternehmen derzeit nicht in der Lage, ohne jegliche CO2-Emissionen zu arbeiten. Sie nutzen Klimakompensation beziehungsweise CO2-Kompensation (Carbon Offsetting), um die Menge an CO2, die sie verursachen, zu kompensieren. Wenn ein Unternehmen nachweisbar die Menge an verursachten CO2-Emissionen über Kompensation ausgleicht, kann es seine CO2-Bilanz zumindest auf dem Papier auf null drücken und gilt damit als klimaneutral.

Klimakompensation ist ein etabliertes und weit verbreitetes Mittel geworden, entstandene CO2-Emissionen auszugleichen. Es gibt diverse Firmen, die CO2-Emissionen berechnen und einen Ausgleich anbieten. Viele Fluggesellschaften bieten ihren Kunden sogar an, die CO2-Emissionen eines Fluges direkt beim Kauf eines Tickets mit einem zusätzlichen Beitrag zu kompensieren.

Die Grundidee ist einfach: Wer eine Menge x an CO2-Emissionen verursacht, investiert gleichzeitig Geld in zertifizierte Projekte, die eine negative CO2-Bilanz besitzen. Diese Projekte sorgen dafür, dass die emittierte CO2-Menge x an anderer Stelle eingespart oder wieder aus der Atmosphäre entfernt wird.

Klimakompensation teilt sich stark vereinfacht in zwei Kategorien auf:

  1. Die Investition von Geld in Projekte, die helfen, zukünftig entstehende CO2-Emissionen zu verhindern und
  2. die Investition in Projekte, die der Atmosphäre aktiv CO2 entziehen.

Ein Beispiel für den ersten Ansatz sind Kochöfen, die in vielen Entwicklungsländern weit verbreitet sind. Eine Reihe von Klimakompensationsprojekten kümmert sich darum, alte einfache Kochöfen durch moderne, deutlich effizientere, und einfacher zu verwendende zu ersetzen. Unterm Strich verursachen die modernen Öfen deutlich weniger CO2-Emissionen. Die vermiedenen Emissionen können die Projekte als Carbon Offsets verkaufen – und mit den Einnahmen die modernen Kochöfen finanzieren.

Man kann geteilter Meinung darüber sein, wie sinnvoll es ist, CO2-Emissionen in weit von ihrer Entstehung abgelegen Gebieten zu kompensieren. In Europa liegt der Pro-Kopf-Ausstoß an CO2 um ein Vielfaches höher als in vielen anderen Ländern dieser Erde – vor allem im Vergleich zu Entwicklungsländern.

Ein bekanntes Beispiel für den zweiten Ansatz ist das Pflanzen von Bäumen, um der Atmosphäre im Laufe der Zeit CO2 zu entziehen und zu speichern. Das funktioniert erstaunlich gut und lässt sich darüber hinaus gut berechnen. Je nach Art und Lebensdauer des Baumes weiß man, wieviel CO2 er über die Jahre hinweg speichern wird. Das klingt im Grunde nach einem idealen Weg.

Leider ist das Pflanzen von Bäumen nicht ohne Schwierigkeiten, und die Details der einzelnen Projekte können einen großen Unterschied bewirken. Die meisten Projekte bewerten den CO2-Abbau durch die Bäume über einen Zeitraum zwischen 40 und 100 Jahren. So lange dauert es, bis die gepflanzten Bäume ausreichend CO2 aus der Atmosphäre herausgezogen haben, um die Emission zu kompensieren. Es handelt sich somit um eine langfristige Maßnahme. Sie beruht auf der Idee, dass man heute CO2 in die Atmosphäre ausstößt und morgen entsprechend viele Bäume pflanzt, um übermorgen eine neutrale CO2-Bilanz aufweisen zu können.

Darüber hinaus besteht bei Bäumen die Gefahr, dass sie die berechnete Lebensdauer nicht erreichen – beispielsweise durch Waldbrände oder Rodung. Der Erfolg ist somit auch davon abhängig, wo die Bäume gepflanzt werden und wie sie über die Jahre hinweg vor Schäden und vor allem Waldbränden geschützt sind.

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