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VDE: Digital-technische Assistenten sollen die E-Medizin beflügeln

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Der digitale Wandel soll mit Instrumenten wie der elektronischen Patientenakte (ePA), Telemedizin, dem E-Rezept, digitalen Gesundheits- und Pflegeanwendungen (Digas und Dipas) sowie automatisierten Erstattungen die medizinische Versorgung verbessern sowie Aufwand und Kosten reduzieren. Damit der Plan aufgeht, müssen die Anwender auf beiden Seiten aber das entsprechende Know-how für den Umgang mit der Technik haben. Um dieses zu vermitteln, setzt der Elektronik- und IT-Verband VDE auf ein neues Berufsbild.

Der Digital-technische Assistent (DTA) und der Digital-technische Fachangestellte (DTFA) soll demnach die Verbindung schaffen zwischen „Fachlichkeit, Sozialpädagogik und Informatikern“, wie es Dietmar Wolff, Leiter der Forschungsgruppe „Innovative Gesundheitsversorgung“ an der Hochschule Hof am Freitag bei der Präsentation des Konzepts auf den Punkt brachte. Holger Strehlau, Geschäftsführer des digitalen Fortbildungsbetriebs DigiFort, ergänzte: DTAs und DTFAs könnten eine Brücke schlagen zwischen Bürgern und medizinischen Fachberufen.

Die neuen digitalen Helfer nähmen in der Arztpraxis nicht Blut ab, erläuterte Strehlau. Sie knüpften dort vielmehr etwa eine Verbindung zwischen der Telematikinfrastruktur (TI) und dem Verband der Privatärztlichen Verrechnungsstellen (PVS), überspielten Befunde in die ePA oder stellten E-Rezepte aus. Ihre Handlungskompetenz reiche so hinein bis in die Apotheke. Am Ende stünden zertifizierte Bildungsträger anhand eines Profils, wie es der VDE jetzt freigeben und als erstes DigiFort die Erfüllung der Voraussetzungen bestätigt habe.

Der Verband hat dafür nach eigenen Angaben gemeinsam mit allen Interessenvertretern aus allen relevanten Bereichen im Gesundheitswesen eine Anwendungsregel (VDE-AR-E 2750-300) erarbeitet, wie sich die digitale Transformation gestalten und zertifizieren lässt. Die Unterstützung von Institutionen wie DigiFort, über die Berufsbilder mit digitaler Kompetenz gefördert werden, sei offen ausgelegt, betonte VDE-Geschäftsführer Johannes Dehm: Die Qualifizierungsrichtlinie werde weiterentwickelt, wozu man mit anderen Fachgesprächen im Gespräch sei.

DigiFort wird vom hessischen Sozialministerium gefördert und kann mit der Qualifizierung zum DTA und DTFA nun starten. „Wir wollen nicht die einzigen bleiben“, unterstrich Strehlau. „Wir müssen in einzelnen Bundesländern Partner haben, um von ihnen zu lernen.“ Für die Finanzierung einzelner Teilnehmer kämen etwa auch Bildungsgutscheine in Frage. Diese müssten vor allem „Lernfähigkeit mitbringen“. Eine Ausbildungsabschluss „wäre sehr hilfreich“, sei aber bisher nicht nötig.

Konkret ist die Weiterbildungsmaßnahme bei DigiFort auf drei bis vier Monate bei vier, ausschließlich digital erfolgenden Unterrichtseinheiten pro Tag ausgerichtet. Berufsbegleitend wird es länger: Strehlau geht hier von „maximal sechs Monaten“ aus, was „schon sehr sportlich“ sei. Länger wolle man aber nicht machen, da es sich nicht um eine Konkurrenz zu einem Studium handeln solle. Für ihn steht fest: „Das Bundesgesundheitsministerium muss dieses neues Berufsbild in das Verzeichnis der Gesundheitsberufe bringen“, angelehnt etwa an den Medizinisch-technischen Assistenten (MTA). Die Bundesagentur für Arbeit sollte zudem das Qualifizierungsgeld für betriebliche Weiterbildung vorantreiben.

Ein Beispiel für den Einsatz des digital-fachlichen Unterstützungspersonals brachte die Pflegewissenschaftlerin Carina Hilfenhaus: „Stellen Sie sich Frau Müller vor, 72 Jahre alt“, zuckerkrank. „Um den Diabetes neu einzustellen, muss sie ins Krankenhaus. Warum sollte nicht eine DTA dafür sorgen, dass den Ärzten Frau Müllers e-Akte sofort vorliegt?“ Nach der Entlassung hätte in dieser vernetzten Welt der ambulante Pflegedienst bereits alle Daten zur Verfügung, das E-Rezept wäre an die Apotheke übermittelt. Die Medikamente stünden dann schnellstmöglich zur Verfügung.

Die hierzulande derzeit über drei Millionen zuhause versorgten Pflegebedürftigen bräuchten Assistenzsysteme mit Sensoren, Wearables, Smartphones und Apps, führte die Kemptener Elektrotechnikerin Petra Friedrich aus. All diese Geräte und Dienste müssten „passend ausgewählt, konfiguriert und bedient werden“. Bisher sei die Technik oft „zu kompliziert, zu teuer, nicht interoperabel“. Hier seien „technisch affine und emphatische Personen“ im Sinne des neuen Berufsbilds gefragt.

10 Millionen Euro stünden in den nächsten Jahren allein für Tele-Pflege parat, teilte Wolff mit. Dafür sei die Interaktion mit Ärzten über viele Schnittstellen nötig, um etwa den Medikationsplan über eine strukturierte Informationsablage in der ePA zu aktualisieren. Bisher sei der Digitalisierungsstand in Deutschland, dass allenfalls ein QR-Code ausgedruckt werde. DTAs seien so dringend nötig, zumal schon der für den Zugang zur TI als sicherer Dateninfrastruktur erforderliche Konnektor „absolute Probleme für den ambulanten Pflegedienst“ darstelle.

DTAs müssten auch bei der Praxisdigitalisierung unterstützen, hob Michael Czaplik vom Innovationszentrum der Uniklinik RWTH Aachen hervor. Viele Ärzte scheuten sich vor dem initialen Aufwand. So komme es, dass einige längst „Poweruser“ von Telecare-Anwendungen seien und 20 bis 30 Videosprechstunden am Tag durchführten. Andere kämen nur auf eine pro Monat. 59 Prozent der Patienten hätten zudem Interesse an Digas, aber erst 2 Prozent der Ärzte solche Anwendungen bisher verschrieben. DTAs könnten hier regelmäßig Apps recherchieren und ausprobieren.

Der VDE sieht das innovative Berufsbild zugleich als wichtiges Mittel im Kampf gegen den Fachkräftemangel in der Pflege. Dieser werde sich noch drastisch verschärfen. Bis 2030 könnten hierzulande Schätzungen zufolge rund eine Million medizinische Fachkräfte fehlen, sodass stationär jede dritte Arztstelle unbesetzt bliebe. Da rund 60 Arbeitstage pro Jahr und Praxis allein für die papiergebundene Verwaltung draufgingen, laute das Motto: „Digitalisieren oder untergehen.“ Sein Anliegen hat der Verband auch im Positionspapier „Gestaltung Digitalisierung im Gesundheitswesen“ zusammengefasst.


(tiw)

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