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Wie E-Autos helfen können, Stromausfälle zu verhindern

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Die Menge an Neuzulassungen von Elektroautos soll sich laut Prognosen bis 2030 verdreifachen. Das ist gut für die Dekarbonisierung des Verkehrs, allerdings steigt dadurch auch der Strombedarf. Elektroautos könnten in Zukunft aber nicht nur als zusätzliche Verbraucher auftreten, sie könnten auch dabei helfen, das Stromnetz zu stabilisieren.

Plötzlichen Bedarf abdecken

Durch so genanntes bidirektionales Laden ist es ihnen möglich, Strom nicht nur zu tanken, sondern bei Bedarf auch wieder in das Netz zurückzuspeisen. Das könnte notwendig sein, wenn es einen spontanen Bedarf gibt, etwa weil der Wind nachlässt und Windkraftwerke plötzlich nicht mehr so viel Strom produzieren. So kann eine Unterversorgung des Netzes verhindert und Stromausfällen vorgebeugt werden.

Bidirektionales Laden mit E-Autos kann das Lastprofil verflachen

Bidirektionales Laden mit E-Autos kann das Lastprofil verflachen

Viel Hilfsbereitschaft vorhanden

Die Unterstützung des Stromnetzes durch Elektroautos wird als „Vehicle to Grid„-Technologie bezeichnet, abgekürzt V2G. Ihr wird großes Potenzial zugestanden. Laut einer vom Klimafonds in Auftrag gegebenen Studie könnten Flotten an E-Autos künftig die größte Hebelwirkung zur Stabilisierung des Stromnetzes erzielen.

Bei Verantwortlichen für Unternehmensflotten ist die Bereitschaft, Fahrzeuge dafür zeitweise zur Verfügung zu stellen, hoch. 75 Prozent können sich vorstellen, E-Autos künftig nur zu günstigen Zeiten zu laden (gesteuertes Laden) und Strom bei Bedarf auch wieder ins Netz abzugeben. Noch fehlen aber die notwendigen Voraussetzungen.

Noch sind nur wenige Fahrzeuge V2G-fähig

„Bis auf einige Forschungsprojekte und Pilotversuche ist bidirektionales Laden noch sehr wenig verbreitet„, erzählt Studienleiterin Gertraud Leimüller von der Innovationsberatung Winnovation. Einige E-Autos asiatischer Hersteller, etwa Nissan, beherrschen das bidirektionale Laden prinzipiell schon, europäische Hersteller ziehen aber bereits nach, sagt Mathias Schaffer vom Green Energy Lab, das an der Studie beteiligt war. VW hat etwa angekündigt, seinen Fahrzeugen noch 2022 durch ein drahtlos ausgeliefertes Software-Update V2G-Fähigkeiten zu verleihen.

Standards fehlen

Einheitliche Standards zu dem Thema gibt es bisher noch nicht. Hier sind große Hersteller von E-Autos und Ladestationen, aber auch Unternehmen in der Energiebranche und in der Software-Entwicklung gefragt, eine gemeinsame Basis zu finden. „Ich hoffe, in 10 Jahren lachen wir darüber, wie kompliziert das heute alles ist“, sagt Schaffer. „Ich gehe davon aus, dass mein Auto und die Ladestation dann so intelligent sind, dass sie auf jeden Fall miteinander kommunizieren können.“

Viele denkbare Geschäftsmodelle

Laut Gertraud Leimüller sind derzeit viele Varianten denkbar, welche Geschäftsmodelle sich um V2G entwickeln könnten. „Ein Energieversorgungsunternehmen könnte etwa seiner Kundschaft sagen: Wir bieten euch Vorteile an, wenn ihr euch verpflichtet, eure E-Autos für eine gewisse Zeit am Tag ans Netz zu hängen.“ Denkbar sei etwa direkte finanzielle Vergütung, Gutschriften auf die Stromrechnung oder ganz andere Dinge.

Für Flottenbetreiber*innen zahle sich bidirektionales Laden allerdings auch abseits der Netzstabilisierung aus: „Man stelle sich vor, einzelne Fahrzeuge sollen schnell geladen werden, aber der Strompreis ist gerade hoch. Dann könnte man den Strom einfach von anderen Autos in der Flotte abziehen.“ Auch als Notstromspeicher bei einem Stromausfall kämen die E-Auto-Batterien in Frage.

Wieviel Zeit reicht

Wie viele E-Auto-Batterien zu welchen Zeiten an einer Ladestation hängen sollten, um bei der Stabilisierung des Stromnetzes hilfreich zu sein, dazu gebe es derzeit noch einen akuten Datenmangel, sagen die Expert*innen. Flottenbetreiber*innen gaben im Zuge der Studie an, dass sie ihre Fahrzeuge täglich für 8,5 Stunden in die Dienste des Netzbetreibers stellen würden. Ob das reicht, ist unklar.

Wenn die Fahrzeuge von Mitarbeitern auch privat genutzt werden, tun sich noch ganz andere Probleme auf. Wie koordiniert man dann etwa Nutzungszeiten, wieviel Strom muss für spontane Ausfahrten auf jeden Fall im Akku verbleiben? Zu V2G gibt es jedenfalls noch großen Forschungsbedarf.

In der Studie für den Klimafonds wird ein Plan für die Weiterentwicklung des Themas „gesteuertes und bidirektionales Laden“ vorgelegt. Kurzfristig wird empfohlen, nationale Demonstrationsprojekte auszuschreiben, um zu ermitteln, welchen Nutzen unterschiedliche Beteiligte aus V2G-Technologie ziehen können. Dies sollte innerhalb von ein bis 2 Jahren geschehen.

Mittelfristig (innerhalb von 3 Jahren) sollen die notwendigen regulatorischen Voraussetzungen geschaffen werden. Dabei soll etwa klargestellt werden, wie die Rollen zwischen Privatpersonen, Energieversorgern und Stromnetzbetreibern neu verteilt werden können und welche Standards das flüssige Funktionieren von V2G mit Technologien unterschiedlicher Hersteller ermöglichen. Österreich sollte sich dabei innerhalb der EU vernetzen. Auch Unterstützungsmechanismen, wie Förderungen für den Umstieg auf bidirektionales Laden, sollen entworfen werden.

Langfristig sei es sinnvoll, die Vorteile der Technologie verstärkt zu kommunizieren und Fachkräfte auszubilden. Bidirektionales Laden soll etwa Teil der Ausbildung von Elektriker*innen werden.



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